Choreos

Deutsche Meisterschaft 2018 in Braunschweig – `Light & Darkness`


Von 2017 bis zuletzt lagen drei Jahre Licht und Schatten auf einer Kür, die wie keine andere, Höhen und Tiefen erlebt hat. Zudem hat eine Braunschweiger Musik selten so sehr polarisiert.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: das war das Credo der „light & darkness“ (der Titel „Kontraste“ war leider schon vergeben). Sie sollte anders werden als das, was man bislang von Braunschweig und auch von der Konkurrenz kannte. Inspiriert vom Symphonic Metal und auf Grundlage der Band Whitin Temptation, wurde ein 19-Tanzwechsel schnelles und epochales Arrangement geschaffen. Als innovativ galten die verschachtelten Tänze, wie der untypische 6/8-Wiener Walzer (der wie ein Tango klingt) oder geschickt verarbeitete Quicksteps. Die Musik lebt dabei von einem voluminösen Orchester, unterstützt durch E-Gitarren sowie von einer sanften, weichen, gar zerbrechlichen weiblichen Stimme, die sich über all dem erhebt und den Gegensatz zu dem sonst harten instrumentalen Arrangement darstellt. In gewohnter Weise und in monatelanger Arbeit wurden jede gespielte Note und jeder Schritt so verarbeitet, dass sie die choreographische Darstellung der Musik bestmöglich unterstützten. Ein besonders hohes Augenmerk lag dabei auf der tänzerischen Qualität, um die spezifisch arrangierten Tänze sichtbar darzustellen.

Das neue Projekt sollte der Mannschaft wieder zu Gold verhelfen. Doch es kam anders: Auf der Deutschen Meisterschaft 2017 in Bremen wurde ein enttäuschender dritter Platz ertanzt. Über 20 Jahre nach der „Lulu“ haben die Braunschweiger Tänzerinnen und Tänzer erstmals kein Gold oder Silber gesehen und mussten sich mit Bronze zufriedengeben. Zum Glück gelang bereits im Frühjahr die Qualifikation zur Heim-WM… Dank sehr motivierender Worte der Trainer ist es auf dieser gelungen, die nationale Konkurrenz auf Abstand zu halten und die VW-Halle in einen Hexenkessel zu verwandeln. Mit nur 0,12 Punkten Differenz zum neuen Weltmeister  Vera wurde Braunschweig zumindest den Russen gefährlich. Silber war der hart erkämpfte Lohn für eine außergewöhnliche Choreographie! Noch heute erinnern sich die damaligen Teammitglieder gerne an das atemberaubende Gefühl, schon beim Betreten der Fläche zum Finaldurchgang mit Standing Ovation getragen und motiviert zu werden.

Im Jahr 2018 folgte ein weiterer Deutscher Meistertitel und WM-Bronze. Auf den vierten Platz bei der WM 2019 in Moskau folgte der zweite Platz bei allen nationalen Wettkämpfen. Im Frühjahr 2020 verabschiedet sich die „light & darkness“ mit gemischten Gefühlen; konnte sie ihr Potenzial doch nie richtig entfalten. Ihr folgt im Herbst ein neues Kapitel Braunschweiger Tanzsportgeschichte.

Weltmeisterschaft 2014 in Braunschweig – `In constant touch`

 

Nach drei unsterblichen Jahren galt es 2014 mit neuer Musik und Choreo national wie international zu überzeugen.

In Folge der eher schweren und größtenteils mystischen Musik der „Immortality“ musste etwas mit Leben und Farbe als Kontrast auf die Fläche gebracht werden. Ganz im Sinne des künstlerischen Stils, der in Braunschweig praktiziert wird, durften dabei weder Gefühle noch Emotionen auf der Strecke bleiben. Diesmal sollten Themen wie Freundschaft und Liebe in den Vordergrund gerückt werden. Bei allem Ärger, dem man im Alltag begegnet, ist es mit Weggefährten nur noch halb so schlimm. Und eine echte Freundschaft kann nichts erschüttern, selbst wenn man sich Tage, Wochen, gar Monate nicht gesehen hat. Ein Großteil des neuen Arrangements ist geprägt von Powerfrauen wie Rihanna, Leona Lewis, Alicia Keys und Kelly Clarkson, die mit ihren Stimmen ein Millionenpublikum begeistern und den Machern des neuen Braunschweig-Projekts mit ihren Top-Hits die Grundlage für die „In constant touch“ boten. Dabei ist es den Streichern und Waldhörnern, die der Musik eine unglaubliche Tiefe verleihen, zu verdanken, dass das Arrangement den gewünschten Zielvorstellungen entspricht.

Aber die Zuschauer sollten nicht nur die Musik, sondern auch die bildstarke Choreographie genießen können. Trotz der rasanten und im Schnitt nach zwei Takten wechselnden Bilder, wurde der Betrachter nicht überfordert. Das Markenzeichen der Choreographie: die Mannschaft tanzt überwiegend in kompakten Bildern und die Paare nahezu im kompletten Hauptteil und dem Titel entsprechend in Haltung zusammen. Die Choreographie zeugt von der nach wie vor hohen tänzerischen Qualität der Braunschweiger A-Formation. Der Lohn: 2014 konnten WM- wie DM-Titel erfolgreich verteidigt werden.

2015 erfolgte dann ein großer Umbruch in der Formation. Binnen weniger Monate musste Cheftrainer Rüdiger Knaack ein neues Team formen. Um den Anforderungen gerecht zu werden, wurde viel investiert. In dieser Zeit hat sich ein unbeschreibliches Teamgefühl entwickelt. 2015 konnte unter den vermeintlich ungünstigen Bedingungen DM-Silber sowie Bronze bei EM und WM gewonnen werden. Ein Jahr später gelang der neuen Mannschaft der nationale Titelgewinn und Platz zwei auf der Weltmeisterschaft, gefolgt vom Bundesligasieg 2017 und der direkten Qualifikation für die bevorstehende Heim-WM. Ein großer Meilenstein für die junge Mannschaft und erneut ein großer Erfolg für den Meistermacher persönlich.

Mit dem letzten Ligaturnier 2017 in Braunschweig wurde die Kür vor eigenem Publikum und mit einem emotionalen Finale verabschiedet. Am Ende hat sie für alle Beteiligten -und in schöner Erinnerung- Spuren im Sand hinterlassen.

Weltmeisterschaft 2011 in Braunschweig – ´Immortality`

Hans Zimmer schafft mit seiner Filmmusik Kinoerlebnisse, wie kein anderer seiner Branche. Für viele der großartig inszenierten Blockbuster hat er eingängige Melodien geschaffen. Alle können sie mitsummen oder verbinden sie beim Hören sofort mit den jeweiligen Szenen und Bildern… Einfach unverkennbar. Einfach unsterblich…

Wie Hans Zimmer mit den Filmorchestern so steht Rüdiger Knaack, schon jetzt einer der bekanntesten und gefragtesten Formationstrainer der Welt, für absolute Perfektion. Mit seinem neuen Thema sollte etwas Neues kreiert werden, etwas Einmaliges noch nie Dagewesenes. Etwas, das in Erinnerung bleibt. Eben unsterblich. Da war es naheliegend, dass sich der Erfolgscoach der Musik von Hans Zimmer annahm. Die „Immortality“ war geboren. Herausfordernd und energiegeladen durch die schnellen Wechsel von weichen Violinen hin zu harten, dunklen Tönen, wirkt sie bis heute wie ein ganz eigener Blockbuster.

Das tänzerisch umzusetzen, forderte dem Team wie immer alles ab. Es wurden etliche Stunden im Saal verbracht, um jede Figur, jeden Schritt, jeden Rücken, jeden Drehgrad und jeden Kopf zu perfektionieren. Wie immer sollten die Figuren PERFEKT zur Musik passen. Musikalität ist das A und O in Knaacks tänzerischem Verständnis. Und auch hier ist es ihm wieder geglückt:

In den drei Jahren, in denen die Choreografie auf etlichen Turnieren getanzt wurde, konnte sie nahezu alles gewinnen, was es zu gewinnen gab: 2 Weltmeistertitel 🏆, 3 Deutsche Meistertitel 🏆, 3 Bundesliga-Saisons und die erstmalig durchgeführten World Dancesport Games in Taiwan gingen auf das Konto des Teams.

Erfolgreicher war bisher keine Choreografie des BTSC!
Wenn das nicht Unsterblichkeit ist….

Europameisterschaft 2010 in Lüdwigsburg – ´Ballads of Rock´

 

Mittlerweile 18 Jahre nach dem Welterfolg mit dem „Phantom der Oper“ soll 2009 eine neue Choreografie – Rudis 11. – an den Start gehen und sich mit der Konkurrenz messen.

Wie immer legt er dabei extrem viel Wert auf den sportlichen und künstlerischen Anspruch, eine Kurzweiligkeit für den Zuschauer (und hoffentlich auch für den Tänzer 😄) und die entsprechenden Überraschungsmomente.

Bei der „Ballads of Rock“ liegen die Überraschungsmomente vor allem in den Bildern, die überwiegend rückwärts durchtanzt werden. Da durfte gern mal die Dame Navi spielen. 😄😉 Außerdem wechseln die Paare in nur einem Takt die Bilder, bilden aus Reihen Quadrate oder es wird aus allen vier Ecken auf die Mitte zugetanzt und ein Kreuz gebildet, um dann direkt in einem neuen Bild (2-1-2-1-2) zu enden. Die Musik ist aus Rockklassikern zusammengestellt, die lange nicht im Radio gespielt wurden und langsam in Vergessenheit gerieten. Insbesondere das Zusammenspiel aus Rockmusik und den weichen, romantischen Texten war und ist das Reizvolle für den Cheftrainer. Dabei wirkt die Musik auf keinen Fall altmodisch oder gar langweilig. Der rhythmische Beat und die kraftvollen Stimmen reißen das Publikum mit und lassen den Vortrag dadurch kurzweilig erscheinen. Und plötzlich hörte man die eingearbeiteten Titel wieder öfter im Radio.

Die Schrittfolge wurde von Knaack wie immer so gewählt, dass sie 1:1 zur Musik passt. Selbst nach Jahren können die Tänzer von damals diese (und auch nahezu jede andere) Choreografie tanzen, weil sie so eindeutig ist. Somit waren alle vier Kriterien Knaacks erfüllt ✔️: tänzerische Qualität, sportlicher Anspruch, Überraschungsmomente und Kurzweiligkeit.

Daher konnte die Ballads auch wieder die zuvor ausgebliebenen Titel einheimsen: die Bundesliga wurde in beiden Saisons deutlich gewonnen und auch bei der DM und EM 2010 wurden die Goldmedaillen 🏅 mit nach Hause genommen. Selbst nach 20 Jahren und 10 weiteren Choreografien zeigte Rüdiger Knaack, dass er immer noch in der Lage ist, Neues zu kreieren und er mit seinen Werken und seiner Formation zur Weltspitze gehört.


Deutsche Meisterschaft 2008 in Bremen – `Music Culture`


„Simply the Best. Better than all the Rest!“  erklingen die ersten Töne der neuen Musik. Selbstbewusst oder einfach arrogant?
Rüdiger Knaack, heutiger und damaliger Cheftrainer der A-Formation, beschreibt die Idee der folgenden Choreografie wie folgt:
Es sollen Songs und Texte verwendet werden, die rund um die Welt gingen und damit weltbekannt sind. Musik verbindet alle Menschen, egal welcher Kultur, Religion, Sprache oder Überzeugung. Das Bindeglied war, ist und bleibt die Musik.
Für dieses Projekt kam für Rudi nur eine Künstlerin infrage, die dem gerecht werden konnte, da sie seiner Meinung nach eine der allergrößten Künstlerinnen der Welt ist: Tina Turner!
So sollte ihr damaliger Song „Simply the Best“ als Grundlage und Leitfaden dienen, der den Zuhörer und Zuschauer durch die verschiedenen Länder musikalisch begleitet und mitnimmt.
Dabei wurde jedes Land unterschiedlich musikalisch arrangiert: seien es die typischen indischen Klänge zu Beginn, die afrikanischen Trommeln in der Tango-Achterreihe oder der amerikanische Ghospelchor.
Dabei wurde bei den Trommeln eine weitere Raffiniertheit eingebaut: drei Paare tanzen Tango, 5 Paare tanzen zu den gleichen Takten SlowFox, um dann gemeinsam im SlowFox in die Tango-Achterreihe zu tanzen.
So wurden in die Choreografie mit dem passenden Namen „Music Cultures“ überraschende Momente, ein hohes Tempo und eine Dynamik eingebaut, die beweisen sollten, dass der Braunschweiger TSC sowohl national als auch international weiterhin ganz vorne mit dazu gehört.
Leider blieb der große Erfolg aus: sogar ein 4. Platz bei der WM 2007 in Stuttgart und ein 5. Platz bei der EM 2008 in Moskau mussten verkraftet werden.
Warum so „schlecht“ nach dem tollen Erfolg mit der „Céline“ und der „Musica É“?
Einige munkeln es lag an der Farbe der Kleider: „Mit blau kann man doch kein Turnier gewinnen“. Andere wiederum meinten, es sei die Arroganz des Leittextes „Simply the Best“ gewesen. Woran auch immer es lag: diese Choreografie konnte leider nicht überzeugen und wurde deswegen in der Bundesligasaison 2009 verabschiedet.

Europameisterschaft 2005 in Braunschweig – ‚Musica É‘

Aus der folgenden Musik gab es so manche Textstellen, die vom A- und später auch vom B-Team umgedichtet wurden.
Kein Wunder: kaum einer verstand, was genau gesungen wurde, da nahezu keiner der Sprache mächtig war: Italienisch, die wunderschöne Sprache der Liebe, Romantik und der Leidenschaft. ❤️
Genau so wurde auch die Musik zur „Musica É“ arrangiert: kraftvoll, leidenschaftlich, mitreißend und positiv.
Die Songtexte basieren auf bekannten Liebesliedern des italienischen Weltstars Eros Ramazotti.
Das Selektieren der einzelnen Sequenzen verschiedener Songs war gar nicht so einfach, man verstand ja nichts. 😄
So kam es, dass Rüdiger Knaack und Thomas Kitta auf dem Weg ins Tonstudio nach München im ICE saßen und versuchten, sich die Songtexte zu übersetzen. Ihre Sitznachbarin bekam das mit und erzählte, dass ihr Sohn italienisch könnte. Also telefonierten die beiden abends noch mit dem Sohn der hilfsbereiten Dame und ließen sich den Text übersetzen. So konnten sie die richtigen Textstellen auswählen und zusammenschneiden.
Beim Erklingen der Choreografie lässt man sich als Tänzer und Betrachter mitreißen und schmettert den ein oder anderen Song lautstark mit heraus, ganz egal ob auf Italienisch oder einer eigens kreierten Kunstsprache 😄. So wurde im ersten Wiener Walzer zum Beispiel gerne mal eine „Pizza Calzone“ besungen.
Fun Fact am Rande: die Songs wurden spontan von einem Pizzabäcker eingesungen, da der eigentlich dafür ausgewählte Sänger nicht die erwartete Leistung abrufen konnte. Also musste spontan ein neuer Sänger her und einer der Musiker berichtete von seinem Kumpel, dem Pizzabäcker, der singen kann. Dieser wurde direkt angerufen, so dass er am nächsten Tag im Studio stand, die Lieder einsang und damit dem Braunschweiger TSC zu einer weiteren erfolgreichen Musik verhalf.
Die A-Formation gewann damit im Jahr 2005 das Triple: Europameisterschaft Zuhause, Deutsche Meisterschaft in Bremen und die Weltmeisterschaft in Polen. 🏆🏆🏆

Deutsche Meisterschaft 2004 in Düsseldorf – ‚Céline‘

„Durchbruch. Herz. Erfolg.“
Mit diesen drei Worten beschreibt Felix Teufert heute seine erste Afo-Choreografie, bei der er im Stamm stehen durfte: die „Céline“. Hierfür nutzte Rudi ausschließlich Songs der weltberühmten  Sängerin Céline Dion.
● „Durchbruch“, weil es Felix erste Choreografie als Stammherr für den BTSC war.
● „Herz“ ❤️, einerseits weil die Texte von Liebe, Sehnsucht und Hoffnung erzählen, andererseits weil er seine Liebe zum Tanzen nun auch in einer der weltbesten Formationen ausleben durfte.
Bereits nach der Saison 2003 mit der „Jeckyl&Hyde“ war klar, dass der damals 18 Jährige nachrücken würde und ab sofort im Stamm tanzen darf. Dafür hat er eine Menge getan: unzählige Privatstunden, Gruppentrainings, Doppeltraining in der B-Formation und A-Formation und nächtliche Tanzeinheiten im elterlichen Wohnzimmer waren nötig, um den Sprung nach oben zu schaffen.
Der hat sich allemal gelohnt:
● „Erfolg“ stellte sich mit dieser Choreografie für Felix und seine Teamkameraden ein: Gold 🥇 bei der Deutschen Meisterschaft 2003 in Braunschweig, Silber bei der Weltmeisterschaft 2003 in Stuttgart. Ebenfalls Silber ein Jahr später bei der Europameisterschaft in Moldawien, dafür aber Gold 🥇 sowohl bei der DM in Düsseldorf und der WM in Braunschweig.
Nach den Erfolgen auf dem Tanzparkett der großen Hallen folgten diverse Shows. Felix berichtet von Wochenenden, an denen vier Shows getanzt wurden, u.a. im Fernsehgarten von ZDF oder auch 2004 beim Weihnachtsspecial von Stefan Raab.
Der Verein schaut auf zwei sehr erfolgreiche Jahre 2003 und 2004 zurück (31 Siege gegen nationale Konkurrenz in Folge) und verabschiedet im Februar 2005 die „Céline“, um Platz für was Neues zu machen.

Weltmeisterschaft 2001 in Berlin – ‚Magic of Love‘


Woran denken Sie, wenn Sie an ‚die Liebe‘ denken?
An rote Herzen, Schmetterlinge im Bauch  und das Läuten der Hochzeitsglocken ? Oder vielleicht auch die berühmten Stehgeiger, die ein wunderschönes Candle-Light-Dinner begleiten und perfektionieren?
So liegt es nahe, dass die nächste Choreografie, die 2001 entstand, von wunderschönen Streichinstrumenten eingespielt und von namenhaften Sängern, wie Luciano Pavarotti oder Lionel Richie, untermalt wird: Es geht um die „Magic of Love“.
Hierbei stehen die weichen, zarten Klänge im Vordergrund. Deswegen beginnt der Hauptteil mit einem emotionalen Langsamen Walzer, um die entsprechende Stimmung beim Publikum zu erzeugen. Auch die Hebefigur zu Beginn der Choreografie und das Kuscheln in der langen Diagonale zeigen die innige Beziehung zwischen Mann und Frau und verbildlichen so die „Magie der Liebe“.
Insgesamt zeichnet sich die Choreografie durch die schnellen Wechsel der Tempi zwischen schnell/langsam und langsam/schnell, sowie der engen, geschlossenen Bewegungen aus, was es zu der damaligen Zeit so vorher noch nicht gegeben hat. Es benötigt eine ausgezeichnete tänzerische Qualität, um zu bestehen.
Diese machte sich 2001 bei der Deutschen Meisterschaft in Sindelfingen bezahlt, wo das Team des BTSC mit 8 von 9 Einsen in der Wertung den Titel nach Hause holte. 🥇
Wenige Wochen später reichte es sowohl bei der Europameisterschaft in Tschechien als auch bei der Weltmeisterschaft in Berlin nicht für den Titel. Die A-Formation musste sich mit Platz 2 zufrieden geben. Und das, obwohl der Fanclub alleine mit drei großen Bussen anreiste und lautstark für Unterstützung sorgte.
Leider konnte auch in 2002 international kein Titel geholt werden, so dass Abschied genommen werden musste. Die Musik ging, aber die Liebe zum Tanzen blieb …

Weltmeisterschaft 2000 in Braunschweig – ‚Jekyll & Hyde‘

 

Wir schreiben das Jahr 1999.
In Bremen, nicht unweit von Braunschweig entfernt, wird ein neues Musical im Musicaltheater uraufgeführt, welches Gutes verspricht.
Die Braunschweiger Formation fuhr mitsamt der Trainer nach Bremen und schaute es sich an, da es die Grundlage für die neue Choreografie bildete, die erfolgreicher werden sollte als die letzte: „Jekyll & Hyde“ – die Geschichte von Gut und Böse.
Dem Wissenschaftler Dr. Jekyll ist es gelungen, ein Mittel zu entwickeln, mit dem es möglich sein soll, das Gute und Böse im Menschen voneinander zu trennen. Er unterzog sich einem Selbstversuch und verwandelte sich in den bösartigen und mordenden Mr. Hyde.
Das Musical thematisiert den Gegensatz zwischen Gut und Böse und mischt noch etwas Liebe zu einer wunderschönen Frau namens Lucy hinzu.
Rüdiger Knaack ist fasziniert von dem Gegensatz Gut und Böse, wie Licht und Schatten (Light & Darkness), weich und hart, zerbrechlich und stark und möchte die Story inkl. der Kontraste auf die Fläche bringen.
Durch die Kontraste entsteht sowohl in der Stimmung als auch in der Musik ein maximaler Stimmungsbogen, den es durch das Tanzen darzustellen galt. Um das hinzukriegen, wird der Tanzwechsel direkt mit dem ersten Ton des neuen Tanzes vollführt und in der Körpersprache deutlich. Oft wechselnde Tempi, harte Akzente und rasche Momente sorgen für eine mitreißende und energiegeladene Choreografie.
Die Bildentwicklung ist raffiniert: innerhalb einer Figur wird von Bild zu Bild gewechselt.
All das sorgte dafür, dass die „Jekyll & Hyde“ wieder zu alten Erfolgen zurückkehren konnte. Im ersten Jahr „nur“ Silber national und Bronze international, konnte an die Formation im zweiten Jahr (2000) nichts mehr herangekommen, so dass sowohl bei der Deutschen Meisterschaft als auch bei der Weltmeisterschaft Gold geholt wurde. 🥇

Deutsche Meisterschaft 1998 in Köln – ‚Lulu‘


Wie es zu der Auswahl der nächsten Musik kam, war ähnlich wie die Jungfrau zum Kinde kam.
Das Palastorchester und Max Raabe (@maxraabeundpalastorchester) kamen auf den Braunschweiger TSC zu, da sie Hilfe bei der Aufnahme einer Tanz-CD brauchten. Getreu dem Motto „eine Hand wäscht die andere“, half der BTSC und bekam dafür im Gegenzug die Formationsmusik zur „Lulu“.
Der Musik konnte Knaack erst nichts abgewinnen. Nach mehrmaligem Reinhören erkannte er jedoch den Charme und Witz des Sounds und vor allem der Texte und wollte genau diese beiden Aspekte auch tänzerisch hervorheben. Das, was man hört, soll dargestellt werden.
Seiner Linie und seinen musikalischen Grundsätzen treu bleibend, musste auch dieses Mal das Gehörte tänzerisch, gestisch und insbesondere mimisch umgesetzt werden.
Gerade die feinen Details der Texte in dieser Musik sollten ein Highlight werden, da sie das besondere der kompletten Choreografie darstellen. (Zum Beispiel werden die Damen hinter den Herren „hergezogen“ während Max Raabe von Fischern singt, die ihre Boote aufs Meer hinaus ziehen.)
Die Umsetzung dieser prägnanten Texte führte letztendlich dazu, dass sich zwei Lager bildeten: die einen, die die Musik und Choreografie liebten und die anderen, die das Gefühl hatten, dass Knaack mit seiner Mannschaft das Formationstanzen nicht ganz Ernst nahm.
So kam es, dass die Mannschaft inkl. Trainerteam sowohl von der EM 1998 in Moldawien als auch von der DM 1998 in Köln mit einem 4. Platz nach Hause kehrten und somit nicht an der WM Zuhause in Braunschweig teilnehmen durften. „Das war eine bittere Erfahrung, auf die wie gerne verzichtet hätten“, so Knaack jetzt viele Jahre später über die damaligen Ergebnisse.
Aufgrund dessen wurde die „Lulu“ lediglich ein Jahr getanzt und 1999 eine neue Musik präsentiert.

Europameisterschaft 1997 in Ludwigsburg – ‚West Side Story‘


„Bloß nicht auffallen und kleine Brötchen backen“ war das Credo der neu dazugekommenen Tänzer 1996, die aus der B-Formation in die A-Formation rutschten. Rüdiger Knaack höchstpersönlich kam damals nach dem großen Umbruch in das B-Team und teilte ihnen mit, dass sie als Ersatz im A-Team mittrainieren sollen.
Das war eine Ehre für die Nachwuchstänzer, unter ihnen Anja und Florian Meyer. Gesagt – getan. Ab sofort wurde die „Phantom der Oper“ mit der B-Formation trainiert und die „Conquest of Paradise“ mit der A-Formation.
So kam es auch, dass Anja und Flo mit ihren Teams bei der Musikvorstellung zur neuen Choreografie dabei sein durften. Die lebendige Musik der ‚West Side Story‘ und Rudis erste Ideen dazu machten Lust auf mehr. So wurde ab sofort fleißig trainiert, um das große Ziel der beiden zu erreichen: Stamm in der A-Formation des Braunschweiger TSC.
Sie schafften es und durften ihr erstes Turnier für den BTSC in der A-Formation bei der Europameisterschaft 1997 in der Rundsporthalle in Ludwigsburg tanzen und sogar gewinnen! 🥇
Anschließend wurden sie „Zuhause“ im Verein von den Fans empfangen und bejubelt. Rudi selbst vollzog die üblichen Taufe (Sektdusche) der Neu-Formationsmitglieder!
Als schönsten Moment mit dieser Choreografie beschrieben die zwei die ARD Mastergala, bei der die Standardformation des BTSC und die Lateinformation TD Düsseldorf Rot-Weiß gemeinsam auf der Fläche standen. Rüdiger Knaack und Oliver Wessel-Therhorn entwickelten damals gemeinsam die Choreografie. Es war deutlich zu spüren, was die beiden Trainer und damit auch die beiden Teams verband: die Liebe zur Musik und die Liebe zum Tanzen!

Europameisterschaft 1996 in Oldenburg – ‚Conquest of Paradise‘


Nach den erfolgreichen Jahren mit der „Zarah“ und der „Phantom“ stand etwas Neues für die Braunschweiger Formation an.
Die Tänzer sollten „das Paradies erobern“ – also die Titel, die in den vergangenen Jahren ertanzt wurden, verteidigen.
Dafür entwickelte Rüdiger Knaack die Choreografie mit dem Titel „Conquest of Paradise“ die Eroberung des Paradieses).
„Conquest of Paradise“ war etwas völlig Anderes als die zuvor getanzten Erfolgschoreografien. Es wurde erstmalig bewusst auf Text und Gesang verzichtet, um dem Zuschauer den Raum für Fantasie zu lassen. Die Musik mit ihren prägnanten Klängen, die auf den Titeln des griechischen Künstlers Vangelis basiert, erzeugte eine besondere Stimmung und sollte dem Zuhörer die Möglichkeit geben, mit seinen Gedanken das Paradies zu erobern.
Auch bei dieser Choreografie setzte Rudi auf tänzerische Qualität, weniger auf Show. Die Musik wies dabei diverse Wechsel von mitreißenden Takten, u.a. im Tango, in weiche Takte des Walzers auf. Diese fortwährenden Stimmungswechsel tänzerisch darzustellen und auch die engen, geschlossenen Bilder auf die Fläche zu bringen, verlangte den Tänzern viel Konzentration und tänzerisches Vermögen ab. Es gab nahezu keine offenen Teile, da das reine Tanzen – so wie auch die reine Musik – wirken sollte.
Unzählige Trainingsstunden und viel Schweiß später konnte der Titel bei der Deutschen Meisterschaft am 21.10.1995 in Köln wieder nach Hause geholt und damit gebührend verteidigt werden.
Danach brach die Erfolgsserie ein, der Weltmeistertitel und die Bundesligasaison mussten an den ewigen Konkurrenten aus dem Süden vom 1. TC Ludwigsburg abgetreten werden.
Als dann im Frühjahr 1996 die halbe Mannschaft aufhörte, stand Trainer Knaack vor einer Herausforderung. Es musste ein neues, siegfähiges Team geformt werden.
Das neue Team gewann in allen folgenden Turnieren Silber, jedoch nie mehr Gold. Rudi stand wie immer hinter seiner Mannschaft und war von dessen Leistung überzeugt.
Leider musste sich diese Choreografie trotz allem nach der Deutschen Meisterschaft 1996 in Sindelfingen verabschieden. Wahrscheinlich war Rudi mit seiner Kreativität und Fantasie der Zeit etwas voraus, was den ein oder anderen überfordert haben könnte. Es wurde Platz für eine neue Musik gemacht …

Bundesliga in Ludwigsburg – ‚Zarah‘


Die Erfolgschoreographie ‚Zarah‘ wurde von den Formationsdamen zunächst in blauen Kleidern getanzt. Dann gab es neue Kleider in rot.
Dass es für die Choreo nicht von Nachteil war, zeigt das Video mit Aufnahmen vom Bundesligaturnier in Ludwigsburg.

Weltmeisterschaft 1994 in Braunschweig – ‚Zarah‘


Ungefähr 200 km und etwas mehr als 2 Stunden sind es von Braunschweig nach Hamburg.  In Braunschweig ist der Sitz des Vereins, Hamburg der Wohnort unseres Cheftrainers Rüdiger „Rudi“ Knaack.
Viermal musste der damalige Vorsitzende Heinz Roland diese Strecke hin und zurück fahren, bis endlich Gewissheit über das neue Thema nach dem grandiosen Erfolg mit dem ‚Phantom der Oper‘ herrschte.
Die Intention war klar: Es sollte etwas komplett anderes sein!
Rudi sagte irgendwann im Training zu Heinz und Thomas Kitta alias TK – seinem besten Freund und damaligen Tänzer in der Formation -, dass er Marlene Dietrich als Thema „mega geil“ fände. Er summte den beiden die Lieder vor, die er haben wollte. Achtung Spoiler: Es war anscheinend nicht so einfach, die richtigen Titel herauszuhören. 😉
Heinz und Thomas sind zu Media gefahren, haben sich Schallplatten von Marlene Dietrich bestellt, diese nach einigen Tagen abgeholt, geschnitten, auf Kassette gespult, nach Hamburg gefahren, Rudi vorgespielt.
Reinfall! Das war nicht das, was Rudi wollte. Also fuhr Heinz wieder zurück, bestellte neue Schallplatten von Marlene Dietrich, schnitt neue Lieder zusammen, fuhr wieder nach Hamburg, wieder eine Abfuhr seitens des Trainers.
Das ganze ist noch ein drittes Mal so abgelaufen.
Nach dem dritten „Nein“ saßen TK und Heinz in Heinz‘ Keller und waren frustriert. Erneut hörten sie alle Lieder von Marlene durch und wussten nicht weiter.
Bis TK in Heinz‘ Schallplattensammlung ein Cover von Zarah Leander sah und fragte: „Heinz, wer ist das?“
Die beiden hörten sich die LP (=Langspielplatte) an und waren begeistert. Aus dieser einen LP schnitten sie eine neue Musik zusammen, sind ein viertes Mal zu Rudi nach Hamburg gefahren, warteten bis seine Lecture fertig war und spielten ihm die Musik vor
„Ja, das meinte ich doch!“, war seine Reaktion. „Du Idiot, das ist nicht Marlene Dietrich, das ist Zarah Leander!“, entgegnete ihm Heinz lachend. „Mir doch egal, das nehmen wir!“ 😄
So war die „Zarah“ geboren …
Im ersten Jahr 1994 schaffte sie bisher nie Dagewesenes. Die Mannschaft holte alle Titel – DM, EM und auch die WM in Braunschweig und Bundesligagewinn – mit allen Einsen! 🥇🥇🥇🥇
FunFact: die ersten Kleider hatten den gleichen Blauton wie das Cover der LP von Zarah Leander .

Weltmeisterschaft der Standardformationen in München 1993- ‚Phantom der Oper‘ 


Nachdem die Formation des Braunschweiger TSC mit der Choreographie ‚Phantom der Oper‘ 1991 die erste Weltmeisterschaft der Vereinsgeschichte gewann, konnte der Titel ein Jahr später in Stuttgart erfolgreich verteidigt werden.
Bei der Weltmeisterschaft in München 1993 trat Trainer Rüdiger Knaack erneut mit seiner Erfolgschoreographie an, überraschte jedoch mit einem neuen Sound. Wurde zuvor zwei Jahre lang die Musik des Musicals in deutscher Sprache vertanzt, präsentierten die Braunschweiger in der dritten Saison eine englischsprachige Version.
Auch diesmal konnte das Paket aus moderner Musik und hochklassigem Tanzsport überzeugen. Die Formation gewann erneut die Weltmeisterschaft, ihr gelang somit souverän der Titel-Hattrick.

Weltmeisterschaft der Standardformationen 1991 in Berlin –‚Phantom der Oper‘ 


Zum ersten Mal Weltmeister!!! Ein unbeschreibliches Gefühl, welches die Tänzerinnen und Tänzer des Braunschweiger TSC mit ihrem Trainer Rüdiger Knaack im Jahr 1991 erfuhren.
Mit ihrer Choreographie ‚Phantom der Oper’ gelang dem damaligen Team mit einer sensationellen Leistung und unter großem Jubel der mitgefahrenen Fans der große Coup in Berlin.
Schön war’s!!!